Malen gegen die Angst

Was ist seitdem geschehen!?

Normalerweise finden Wochen und Wochenendseminare für Familien in Deutschland, die von Kriegseinsätzen betroffen sind, Soldatinnen und ihre Angehörigen, die mit dem Erlebten umzugehen lernen müssen oder Hinterbliebene, die unter dem Verlust leiden, an verschiedenen Tagungsorten in ganz Deutschland statt. In Zeiten der Corona-Pandemie müssen diese Seminare leider alle ausfallen. Das brachte den Militärdekan Christian Fischer vom Evangelischen Kirchenamt für die Bundeswehr auf die Idee, einen Online-Workshop mit dem Titel: „Malen gegen die Angst“ ins Leben zu rufen (Meine Samtgemeinde berichtete darüber). Seine Idee traf bei mir auf offene Ohren, seit 2012 bin ich als Kunstpädagoge und -betreuer für die Evangelische Militärseelsorge tätig, gern übernahm ich die Workshop-Leitung von meinem Atelier auf Gut Daudieck aus. Gesagt getan. Die Familien wurden angeschrieben und eingeladen sich an dem Workshop mit einem selbstgemalten, gezeichneten oder asamblierten Werk zu beteiliegen – Technik frei wählbar. Der Workshop fing direkt nach Ostern am 14. April – an und dauerte bis zum 18. April 2020. In dieser Zeit hatten die Teilnehmerinnen die Möglichkeit, telefonisch über WhatsApp oder per E-Mail mit mir Kontakt aufzunehmen, was sie auch alle in Anspruch nahmen. Fast alle hatte ich schon einmal während einer der Veranstaltungen in einem Tagungshaus kennengelernt.
Schon zwei Tage vor Beginn des Workshops trafen die ersten Arbeiten ein. Etliche kreativ gestaltete Werke mit zum Teil sehr anrührenden und kritischen Aussagen folgten.

Malen gegen die Angst

Von Familien als Gemeinschaftsarbeit oder als Einzelwerk von den Teilnehmerinnen wunderbar gestaltet. Von Aquarellen, Collagen, Acrylmalereien über bemalte Steininstallationen bis hin zu Assamblagen aus verschiedensten Materialien war alles vertreten. Es war eine sehr spannende und persönliche Begegnung mit aussagekräftigen Bildern und Objekten und ihren Urheberinnen, die mir durchweg positive Rückmeldung gegeben hatten. Die jüngste Teilnehmerin war übrigens drei Jahre alt.

Weitere Internet Workshops fanden inzwischen statt an denen Erwachsene und Kinder sich unter fachkundiger Moderation und Anleitung in verschiedenen Video-Chatrooms begegnen konnten. Es hat allen sehr viel Spaß gemacht. Auch wenn das web-Angebot eine Alternative für direkte Zusammenkünfte ist, wurde klar, dass es die Präsenz-Veranstaltungen nicht komplett ersetzen kann. Alle freuen sich auf die Zeit, in der es wieder möglich ist, sich persönlich zu treffen und an einem gemeinsamen analogen Ort Zeit miteinander zu verbringen.

Michael Jalowczarz

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