Hornbörger Geschichten

Dat Leben op den scheeben Maschdamm ut de Sicht een echten Maschdammer Jung

Heinrich Hartmann, ein echter Marschdammer Jung, hat sich ein ordentliches Stück Arbeit gemacht und viele Döntjes aus den alten Zeiten aufgeschrieben. Hierbei beschreibt er die Häuser im Marschdamm und im Vordamm und die damit verbundenen Anekdoten. Wir bedanken uns bei Herrn Hartmann, dass wir die „Hornbörger Geschichten“ veröffentlichen dürfen. Und nun viel Spaß beim Lesen.

Husnummer 175

Massivhus, temlich schmol, mit een Schaufenster vörn.

Husnummer 175

Besitzer wör Obensettermeister Willi Stöter, een Verwandten von Hein Stöter. Sien Fro heet Marie (Märie). Wenn ik mi richtig erinner, denn wörn dor twee Jungs in Hus. De eene is in Krieg füllen un de anner hett no denn Krieg, wie he wedder dor wör, Methylalkohol drunken un is dor an storben. Boben in dat Hus wohn Chrischan Mink mit sien Fro Marta un veer Kinner. Chrischan arbeit ok bi uns inne Firma, as Vörarbeiter. He har jümmer een in Sinn un man müss düchtig oppassen, dat man von em nich anschmeert wör. De öllsten beiden Kinner, Reinhold un Christa, wörn al wat öller. Rudl wör veer Johr öller as ik, ober he wör een von uns Anführern un von em hebt wi mit lehrt, wie man sick op denn Maschdamm un gegen de Jungs von de annern feindlichen Stroten in Hornborg dörsetten kunn. De jüngste wör Karla un wiel se ne Deern wör, wör se führ uns nich so interessant, noch nich.

Hausnummer 175

Massives Haus, ziemlich schmal, mit einem Schaufenster an der Vorderseite.

Besitzer war der Ofensetzermeister Willi Stöter, ein Verwandter von Heinrich Stöter. Seine Frau hieß Marie („Märie“). Wenn ich mich richtig erinnere, lebten dort zwei Söhne. Der eine ist im Krieg gefallen. Der andere trank nach dem Krieg, als er wieder zu Hause war, Methylalkohol und starb daran.

Im Obergeschoss wohnte Christian („Chrischan“) Mink mit seiner Frau Marta und ihren vier Kindern. Chrischan arbeitete auch in unserer Firma als Vorarbeiter. Er hatte immer einen Streich im Sinn, und man musste gut aufpassen, dass man von ihm nicht hereingelegt wurde.

Die beiden ältesten Kinder, Reinhold und Christa, waren schon etwas älter. Rudl war vier Jahre älter als ich, aber er war einer unserer Anführer. Von ihm lernten wir, wie man sich auf dem Maschdamm und gegen die Jungen aus den anderen, verfeindeten Straßen in Hornburg durchsetzen konnte.

Die Jüngste war Karla. Weil sie ein Mädchen war, war sie für uns damals noch nicht so interessant – noch nicht.